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Lyonel Feininger, The Gate. 1912, Radierung

Lyonel Feininger, The Gate. 1912, Radierung

Lyonel Feininger in Ribnitz und Damgarten

Seine „Zeichenexpeditionen" an die Ostsee führten den am Beginn seiner künstlerischen Karriere stehenden Lyonel Feininger (1871 – 1956) schon 1905 nach Ribnitz und Damgarten, wo er die märchenhafte Idylle der Kleinstadt und die Faszination für ihre mittelalterlichen Bauwerke entdeckte. Bis 1921 hielt er sich zwei
Mal in der Stadt zwischen Meer und Bodden auf. Wenig bekannt
sind die Comics von Lyonel Feininger, die schon 1905 entstanden
sind und die Eindrücke Feiningers von der „Märchenstadt Ribnitz“
(Julia Feininger, 1905) in mehreren Bildausschnitten wiedergeben. Dabei bilden die klassischen Elemente des karikaturistischen Bild-
stils, wie Verkehrung der Farbe, Form und Proportion in Feiningers
Werk die Voraussetzung für die Bildkonstruktion der Folgejahre
und müssen als zwingend zugehöriger Teil seines Werkes gesehen
werden.

Die Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen und Aquarelle, die in
der Folge zu Motiven aus Ribnitz und Damgarten entstanden sind,
spiegeln entscheidende Entwicklungen in Lyonel Feiningers künstlerischem Werk wider. Insbesondere in der Motivserie zum Rostocker Tor in Ribnitz ist erkennbar, dass die menschliche Figur
in Feiningers Bildfindungen immer stärker zugunsten einer Über-
höhung der Architektur zurücktritt. Tore und Kirchen übernehmen
nun zentrale Funktionen des Bildes und verwandeln sich von
persönlich erlebten Orten zu Prototypen von Feiningers Versuchen,
die Welt zu ordnen.

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